Wenn ich auf Ökostrom umsteige, …

Jeder fünfte Haushalt kauft mittlerweile Ökostrom. Was genau Ökostrom eigentlich bedeutet, wissen nur wenige. Drei Irrtümer

Von Mareike Zeck

 

 

… kommt aus meiner Steckdose ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien.

Nein. Aus der Steckdose kommt das Gleiche wie vorher: Strom, der sich, physikalisch betrachtet, den kürzesten Weg gesucht hat, z.B. auch den aus dem nahe gelegenen Atomkraftwerk. Man kann sich unser Stromnetz auch wie einen großen See vorstellen: Jedes Kraftwerk leitet seinen Strom dort hinein, egal ob dieser mit Kernkraft-, Kohle- oder Wasserkraft produziert wurde. Und selbst wenn niemand einen Ökostromtarif wählen würde, wird auch Strom aus erneuerbaren Energieträgern anteilig in den Stromsee eingespeist, denn das ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so festgelegt. Aber: Wer Ökostrom kauft, kann dafür sorgen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsee schneller wächst. Denn er trägt seinem Stromanbieter auf, für ihn Ökostrom einzukaufen. Dass er das auch wirklich tut, kann man als Kunde aber bislang nicht überprüfen. Deswegen wird gerade ein europaweites Ökostromregister erstellt, in dem jede in Europa produzierte Kilowattstunde Ökostrom aufgeführt ist. In dem Register soll man sehen können, wo sie produziert wurde und an wen sie verkauft wurde. So soll sichergestellt werden, dass niemand Geld für etwas nimmt, das er nicht liefert.

 

… fördere ich damit den Ausbau erneuerbarer Energien.

Nicht unbedingt. Zwar gibt es einige Anbieter, die ausschließlich Ökostrom verkaufen und ihre Gewinne in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken. Aber die meisten Anbieter in Deutschland verkaufen neben Ökostrom auch noch Kohle- und Atomstrom, den sie in ihren eigenen Kraftwerken produzieren. Das Geld der Ökostromkunden kommt bei ihnen also auch Kohle- und Atomstrom zugute. Wer ganz sicher gehen will, wählt einen Tarif, bei dem ein Cent pro Kilowattstunde in einen eigenen Fonds fließt. Aus dem werden dann neue Ökokraftanlagen finanziert. Auch Tarife mit dem so genannten Händlermodell fördern den Ausbau der erneuerbaren Energien: Der Stromanbieter verspricht, dass er ein Drittel seines Ökostroms von Anlagen kauft, die jünger sind als sechs Jahre. So lohnt es sich für die Anlagenbesitzer, immer neue Ökokraftwerke zu bauen.

 

… wird der für mich in Deutschland produziert.

Im Moment nicht. Denn die Ökostromanbieter in Deutschland kaufen den Großteil ihres Ökostroms im Ausland – vor allem von Wasserkraftwerken in Norwegen. Denn auf dem deutschen Markt sind erneuerbare Energien derzeit viel teurer als im Ausland. Das liegt daran, dass die Bundesregierung den deutschen Ökostrom über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert und wir ihn über die EEG-Umlage bezahlen. Bei jedem Stromtarif, egal ob öko oder nicht, stammen fast 25 Prozent des Stroms aus den EEG-geförderten erneuerbaren Energien. Möchte ein Stromanbieter Tarife mit 100 Prozent Ökostrom anbieten, muss er die restlichen 75 Prozent zum nicht subventionierten Preis beim Ökostromproduzenten einkaufen. Das ist aber so teuer, dass kaum ein Kunde diese Tarife bucht und die Stromanbieter den Ökostrom lieber günstig in Norwegen einkaufen.

 

Wie funktioniert Ökostrom?

Jutebeutel, Chucks und Ökostrom – was früher total alternativ war, ist inzwischen total in. Mittlerweile kauft jeder fünfte Haushalt in Deutschland Ökostrom. Und es werden immer mehr. Denn viele von uns glauben ja: Wenn ich bei mir selbst anfange, bringe ich die Energiewende in Deutschland voran. Aber unsere Reporterin Mareike Zeck hat festgestellt: so einfach ist das gar nicht. Deswegen klären wir die drei größten Irrtümer zum Ökostrom jetzt mal auf.